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Vorarlberger Hochhausboom : Chicago am Rhein

Veröffentlicht am 23.04.2019 von Mag. Thomas Feurstein

Der Städteplaner Gerold Strele stellt dem Vorarlberger Hochhausboom der 1960er Jahre ein vernichtendes Zeugnis aus. Hier sei ohne jedes planerische Konzept vorgegangen worden, wobei sowohl Entwickler, Kommunen und Planer gleichermaßen versagt hätten. Die Entwicklung lässt sich erklären, da das Hochhaus als Symbol für den technischen Fortschritt und den Glauben an die Zukunft stand. Die mageren Nachkriegsjahre sollten endgültig der Vergangenheit angehören und die noch ländlich geprägten Kleinstädte Vorarlbergs traten mit dem Hochhaus in einen positiv wahrgenommen, dynamischen Urbanisierungsprozess ein.

Die meisten Hochhäuser in Vorarlberg entstanden in Bregenz, wo sie bis heute das Stadtbild prägen. So vor allem das Vorkloster, wie hier in der Gegend um den Riedenburger Bahnhof. Sie dominieren aber auch das innerstädtische Viertel rund um den Weiherplatz.
Kunert-Hochhäuser in Rankweil. Der Architekt Gunter Wratzfeld schreibt 1976: „Das Wohnhochaus ist eine ganz, ganz eigenartige Entwicklung des 20. Jahrhunderts, gekoppelt mit der Erfindung des Aufzugs, möchte ich fast sagen, wo vertikal Wohnungen übereinandergeschichtet sind, die untereinander keine Beziehung haben.
1954 wurde in der Dornbirner Marktstraße das erste Haus in Vorarlberg erbaut, das insgesamt acht Stockwerke erreichte. Allerdings wurde es bald durch das in unmittelbarer Nachbarschaft errichtete 10 - geschossige Messehochhaus in den Schatten gestellt.
Hochhaus Heldendankstraße: neben zwei Geschäftslokalen entstanden vom zweiten bis zum zwölften Obergeschoss 62 Wohnungen und zwei Dachgeschosswohnungen. In der Broschüre „Bregenz baut“ aus dem Jahr 1975 wurden besonders die 33 Tiefgaragenplätze erwähnt, die die Parkplatznot lindern sollten.
Die Hochhäuser in der Bregenzer Froschauerstraße waren eine Reaktion auf die drängende Wohnungsnot. Runde 1.000 Suchende warteten Anfang der 1970er Jahre auf die Zuteilung einer Wohnung. Die insgesamt 90 Einheiten erstrecken sich über eine Wohnnutzfläche von 6.800 m².