Die Operette am See
Veröffentlicht am 16.07.2019 von Mag. Thomas Feurstein
Die 50er Jahre waren bei den Bregenzer Festspielen die Ära der Operette. Der 1953 engagierte künstlerische Leiter Ernst Bär sah in der Operette den eigentlichen Reiz, den die Festspiele ausstrahlen können. Er war damit nicht unumstritten, da sich das Publikumsinteresse in Grenzen hielt und regelmäßig finanzielle Abgänge in Kauf genommen werden mussten. Walter Lingenhöle schreibt dazu: „ Das Operettenkarussell drehte sich allerdings noch 17 Jahre weiter, wenn auch mit diversen Varianten, siebenmal Strauss, aber auch Lortzing, Stolz, Suppé, Millöcker, Smetana, Lehár und Offenbach.“ Nach heftigen internen Diskussionen endete 1971 die Serie der Operetten. Es folgte die Gershwin-Oper „Porgy und Bess“, die von Publikum und Medien als musikalisches und dramaturgisches Spektakel gelobt wurden.
Die Neue Zürcher Zeitung schrieb 1951 über den „Zigeunerbaron“: „Noch keines der Bregenzer Festspiele bot ein solches Panorama der magischen Reflexe, der pittoresken Volksszenen, der letzten Ausschöpfung im Zusammenspiel der Elemente. Kann es überhaupt überboten werden?“
„Eine Nacht in Venedig“ (Johann Strauss) wurde 1955 dank guter Witterung mit 75.000 Besuchern ein Publikumserfolg. Zu den Aufführungen wurden späte Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft eingeladen.
1960 wurde das Ballett „Schwanensee“ auf der Seebühne aufgeführt und erstmals übertrug auch das Fernsehen die Aufführung. Geringe Auslastung und ein Defizit von 690.000 Schilling ließen die Sorge um den Fortbestand der Festspiele wachsen.
1970 regierte bei den 25. Festspielen noch einmal der Walzerkönig Josef Strauss mit seiner wohl bekanntesten Operette „Die Fledermaus“. Fritz Muliar als Frosch erntete mit seinem ungarischen Akzent jeden Abend einen Riesenapplaus.
Joyce Bryant als Bess in „Porgy and Bess“ 1971. Zweifler hatten befürchtet, dass mit einer „Negeroper“ die Linie der europäischen Kultur durchbrochen werden könnte.