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Vorarlberger Landesbibliothek

Kennelbach als Zentrum der Textilindustrie : Jenny und Schindler

Veröffentlicht am 26.08.2020 von Mag. Thomas Feurstein

1838 beschlossen die aus dem Kanton Glarus stammenden Unternehmerfamilien Jenny und Schindler in Kennelbach eine Baumwollspinnerei zu errichten. Der Standort der damals noch bäuerlichen Gemeinde bot sich an, da am Ausgang des Bregenzerachtals eine optimale Energieversorgung gewährleistet war. Kennelbach wandelte sich durch die Ansiedlung und die starke Zuwanderung schnell von einer bäuerlichen Gemeinde zu einem Industriezentrum.

Die „Obere Fabrik“ ist eine markante Anlage, die das Ortsbild von Kennelbach bis heute prägt. 1839 installierten Jenny und Schindler 62 mechanische Webstühle, ehe 1853 die Baumwollspinnerei hier ihren Platz fand. Am Höhepunkt waren hier 1896 500 Mitarbeiter beschäftigt. Krise und Aufschwünge kamen und gingen, bis schließlich 1968 die geschichtsträchtigen Textilwerke für immer ihr Pforten schließen mussten.
Mit der Schindler-Siedlung entstand an der Bregenzerache ein neuer Ortsteil in Kennelbach. Die Firma stellte den Grund zur Verfügung und mit günstigen Krediten des Landes Vorarlberg und viel Eigenleistung entstanden bis 1951 22 Häuser, die 140 Bewohnern Wohnraum boten. Der Skipionier und Fotograf Stefan Kruckenhauser verewigte diese Pionierleistung in einem seinem Bildbände „Ein Dorf wird“
Um das gesponnene Garn weiterverarbeiten zu können, entstand 1853 die „Untere Fabrik“, die Weberei Liebenstein. Während des 2. Weltkriegs dienten die Hallen der Rüstungsindustrie, später wurden hier bei „Elektra Bregenz“, ebenfalls im Besitz der Familie Schindler, Boiler und Kühlschränke produziert.
Der Kennelbacher Kanal, der ursprünglich der Energieversorgung von Jenny und Schindler diente, prägt seit 1891 das Ortsbild. Das Wasser wird mit einem Wehr der Bregenzerache entnommen und in einem drei Kilometer langen Werkskanal nach Bregenz-Rieden geführt, wo ein Gefälle von sechs Metern bis heute zur Energiegewinnung genutzt wird.
Seit vielen Jahren ist das Schindler-Areal nun Firmensitz der Head AG, aber auch vieler Klein- und Mittelständischer Unternehmen, die im ersten Wirtschaftspark Vorarlbergs eine Heimat gefunden haben.