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Allerseelen : Rituelles Totengedenken

Veröffentlicht am 29.10.2020 von Mag. Simone Drechsel

Der Umgang mit dem Tod fällt der heutigen Gesellschaft deutlich schwerer, denn die direkte, häusliche Konfrontation mit dem Sterben und Tod ist so gut wie verschwunden. Gestorben wird größtenteils in den Spitälern und um alles Weitere kümmert sich dann ein Bestatter. Durch die zunehmende Säkularisierung verschwinden die christliche Jenseitsvorstellung und damit auch die Sterberituale. Diese betteten den Tod in den Alltag ein und ermöglichten so einen leichteren Umgang. Dabei wurden auch Riten befolgt, damit der Tote den Lebenden nicht mehr gefährlich werden konnte, wie etwa das Verhängen der Spiegel, das Öffnen der Fenster und der Sarg musste immer mit den Füßen voraus das Sterbezimmer verlassen.

Bis weit ins 20. Jh. hinein wurde das Zimmer des Sterbenden mit einem improvisierten Altar geschmückt. Nach dem Eintritt des Todes wurde der Leichnam gewaschen, ins Totenhemd gekleidet und aufgebahrt.
Heute findet die Abholung im Trauerhaus nur noch selten statt. Es war üblich den Leichnam erst am Tag der Beerdigung einzusargen und anschließend in einer Prozession zur Kirche zu bringen.
Wurde früher der Leichnam von einem Trauerzug in die Kirche begleitet, befindet er sich heute meistens schon in der Kirche, wo dann die Heilige Messe gefeiert wird. Dabei steht die brennende Osterkerze als Symbol für die Auferstehung.
Auch die Beisetzung im Grab folgt einem genau festgelegten Ablauf von Gebeten, Begleitworten vor und beim Einsenken des Sarges, der Segnung mit Weihwasser und Erde und dem Kreuzritus.
Grabstätten sind öffentliche Orte der Trauer und eine Form der Erinnerung an den Verstorbenen.