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Das Tor zur Welt : Die Zentralisierung des Güterverkehrs in Vorarlberg

Veröffentlicht am 17.10.2018 von Mag. Thomas Feurstein

Laut dem Vorarlberger Verkehrskonzept von 1976 sollte im Sinne einer rationellen Verkehrsabwicklung der Güter- und Personenverkehr räumlich getrennt werden, indem die Doppelfunktion verschiedener Bahnhöfe abgebaut wird. Der Umschlag von Großcontainern erfolgte 1974 – allerdings in sehr bescheidenem Ausmaß – noch in den Bahnhöfen Bregenz, Rankweil und Dornbirn. Der Güterverkehr sollte demnach in Wolfurt konzentriert werden, da hier ein zentrales, wirtschaftsgeografisch günstiges Grundstück mit 350.000 m² und günstiger Verkehrsanbindung zur Verfügung stand.

Viele Vorarlberger Bahnhöfe wurden lange Zeit auch für den Güterverkehr genutzt. Die unbefriedigenden räumlichen Voraussetzungen in den Städten sowie Rationalisierungsbestrebungen der ÖBB führten in den 70er Jahren zu einer völligen Schließung der Güterbahnhöfe in Bregenz und Dornbirn. In Dornbirn mussten 1974 auf der veralteten Anlage immerhin noch fast 12.000 Waggons pro Jahr bedient werden.
Ein wichtiges Argument für den Standort Wolfurt war die optimale Anbindung an das überregionale Verkehrsnetz. Zeitgleich mit dem Bau des Güterbahnhofs entstand der nördlichste Abschnitt der Rheintalautobahn. Mit der Entscheidung für den Pfändertunnel war auch die Trassenführung am Rande des Güterbahnhofs fixiert worden.
Die Bauverhandlung für den Wolfurter Güterbahnhof erfolgte bereits 1969. Es waren aufgrund der schlechten Bodenverhältnisse 200 Probebohrungen notwendig. Es mussten 10.000 Laufmeter Pfähle verbaut und eine Million Kubikmeter Schüttmaterial aufgewendet werden, um die Stabilität des Untergrundes zu erreichen.
Der Ausbau des Güterbahnhofs in Wolfurt wirkte wie ein Magnet auf Industrie- und Handelsbetriebe. Exportorientierte Firmen wir Haberkorn, Doppelmayr oder Meusburger siedelten sich in Bahnhofsnähe an.
In unmittelbarer Nähe des Güterbahnhofs kam es am 29.8.1988 zu einem folgenschweren Zugsunglück. Der Expresszug Pfänder und ein Eilzug waren zusammengestoßen. Fünf Menschen kamen dabei ums Leben, 46 weitere wurden zum Teil schwer verletzt.