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Vorarlberger Landesbibliothek

Römisches Hafenkastell am Leutbühel : Notgrabungen des Vorarlberger Landesmuseums im Jahr 1972

Veröffentlicht am 05.11.2018 von Harald Eberle, MSc

Im Frühjahr 1972 stieß eine Schubraupe bei Bauarbeiten für das Gemeinschaftswarenhaus am Leutbühel (GWL) in Bregenz auf „Fels“. Dabei handelte es sich um Teile eines spätantiken Hafenkastells. Das Sandstein-Quadermauerwerk am Südwestrand des Leutbühels zog sich über 10 Meter weit in Richtung Südost-Nordwest gegen den heute ca. 300 Meter entfernten Bodensee zu. Das Kastell stand direkt an der damaligen Uferlinie und diente zum Schutz des Hafens und als Stützpunkt einer Patrouillenbootflottille. Die umwehrte Fläche hatte eine Größe von ca. 0,35 Hektar und bot Platz für eine Besatzung von schätzungsweise 120-160 Mann.

Die erste Notgrabung des Vorarlberger Landesmuseums erfolgte vom 6. bis zum 15. April 1972, um die Mauer freizulegen und um deren Bestand und Konstruktion zu untersuchen.
Die individualistisch bearbeiteten Quader aus Bregenzer Molassesandstein stammen von den Brüchen am Pfänderhang.
Dendrochronologische Untersuchungen an den Fundamenthölzern aus Eiche ergaben ein Fälldatum zwischen 372 und 381 n. Chr.
Die zweite Notgrabung wurde im Juli 1972 durchgeführt. Der Arbeitertand betrug durchschnittlich 8-10 Mann. Zudem unterstützten auch Mitarbeiter des städtischen Bauhofes die archäologischen Untersuchungen.
Die Ausgrabungen wurden von Dr. Elmar Vonbank (2. von links), dem damaligen Direktor des Vorarlberger Landesmuseums, geleitet.
Am 20. März 1974 wurde das GWL eröffnet. Mit 7000 Quadratmetern Verkaufsfläche war das neue Warenhaus damals genauso groß wie alle Bregenzer Geschäfte zusammen.